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Die große Geschichte der Angeln erlebbar nachgezeichnet

Die Sitzplätze reichten nicht in der Gedächtnishalle - so viele interessierten sich für das Leben vor 1600 Jahren in der Landschaft Angeln. Sie wurden belohnt mit lebendigen Einblicken in Einzelschicksale aus beiden Bänden der „Angeln-Saga“, schauspielhaft brillant vorgetragen vom Autor selbst: Wolfgang Börnsen aus Bönstrup in Nordangeln.

Er verstand es, in freier Rede geschichtliche Zusammenhänge herzustellen,  und seine teils in ländlich-derber Sprache abgefassten Texte beleuchteten das frühmittelalterliche Leben zwischen Förde, Schlei und Treene so eindrucksvoll, als wäre man dabei.

So lernten die begeisterten Zuhörer, dass die Angeln freie Bauern waren, auch Händler und Handwerker, aber keinesfalls kühne Seefahrer, wüste Eroberer oder kampferprobte Krieger. Von anderen Völkern unterschieden sie sich vor allem durch ihren Glauben, in dem sie statt eines Hammer schwingenden „Übermannes“ mit Nerthis eine Frau als höchste Göttin anbeteten. Als Schöpferin allen Lebens verkörperte sie Tugenden, wie Friedfertigkeit, Fleiß, Gemeinsinn, Achtung des Rechts und Respekt vor der Natur.

Als das Klima sich änderte und die schweren Böden wegen Nässe nicht mehr bearbeitet werden konnten, erreichte die Angeln ein Hilferuf von den Briten, die nach dem Abzug der Römer von Scoten, Walisern und Iren bedrängt wurden. Also brachen sie „mit Pütt un Pann, Kind un Kegel“ als Klimaflüchtlinge auf in eine neue Existenz.

Sie brachten Plattdeutsch mit ins neue Angelnland (=England) und ordneten auf der Insel das Gemeinwesen. Doch davon handelt der dritte Band, an dem Wolfgang Börnsen zurzeit arbeitet. Bis zum Aufbruch in die neue Heimat ließ er in der Gedächtnishalle jetzt erstmal Ocke Offasson, Sibbern Grummelbuuk, Ida Slappfoot, Alma Kruut und den Hammel Schnarup wieder lebendig werden.

Zwischen den Romanpassagen entführte der talentierte Berufsmusiker Igor Vlassov mit mittelalterlichen Melodien auf seinem Akkordeon die Zuhörer phantasievoll in die Weite der Landschaft und zugleich in die Friedensliebe der russischen Seele. Und schon bei den nächsten Sätzen vom heimatliebenden Wolfgang Börnsen wusste man: Das gilt auch für Angeln.